Wie ich einmal 95 Prozent Müll kaufte
Es ist schon faszinierend, wie Alltagselektronik immer kleiner wird. Speziell in der Speichertechnik gibt es eine Revolution nach der anderen. So habe ich mir bereits vor über einem Jahr einen MicroSD-Speicherchip mit 1 GB Speicherkapazität zugelegt und war höchst fasziniert, dass man solch immense Datenmengen auf dem Volumen eines Milchzahns unterbringen kann.
Nun habe ich mir eine Digitalkamera zugelegt — und mit ihr einen SD-Speicherchip, welcher im Vergleich zur MicroSD-Karte geradezu klobig wirkt. Dennoch ist er ein echter Winzling von 32 mm × 24 mm × 2,1 mm. Damit jedoch der geneigte Käufer nicht das Gefühl hat, viel Geld für so ein kleines Dingelchen auszugeben, liefert es der Hersteller SanDisk es in einem Karton daher, der 145 mm × 114 mm × 30 mm groß ist. Das ist sage und schreibe mehr als das 300fache Volumen des Speicherchips. Nur mal zur Relation: Wenn ich zum Preis des Chips bei Aldi einkaufte und die Aldi-Waren à la SanDisk verpackt wären, müsste ich für einen Wocheneinkauf mit dem Tieflader anrücken. Hallo SanDisk! Geht’s noch?
Aber es kommt noch besser …
Wenn der Karton schon das 300fache Volumen des Chips hat, muss man das natürlich auch nutzen — das zumindest scheinen sich die Produktverantwortlichen bei SanDisk gedacht zu haben. Und so haben sie den Karton mit einem derartigen Haufen Müll vollgestopft, dass man meinen könnte, die Firma SanDisk sei als Subunternehmer der Entsorgungsindustrie tätig.
Die folgende Abbildung zeigt, was SanDisk dem Käufer eines briefmarkengroßen Speicherchips angedeihen lässt:
- Der bereits erwähnte Karton.
- Eine der Aufbewahrung der nachfolgenden Komponenten dienende Hartplastikschale, deren Innenvolumen gerade mal 50% des Kartonvolumens ausmacht.
- Eine CD mit Datenrettungssoftware. Offenbar bei SanDisk-Produkten so wichtig, dass man sie nicht etwa zum Herunterladen anbieten kann, sondern direkt beilegen muss.
- So eine CD braucht natürlich auch eine Hülle — mit Guckloch aus Plastikfolie.
- Bedienungsanleitung — für eine Speicherkarte. Ist ja auch sehr kompliziert, das Teil in die Kamera einzulegen.
- Eine Neopren-Tragetasche für die Speicherkarte mit zwei Innenfächern. Das wünschen sich nämlich die meisten Inhaber von Speicherkarten: Einen Schutz vor Regen, Wind und Wetter — und zwar für jede Karte einzeln. Und wenn man zehn Speicherkarten auf einmal kauft, kann man sich auch einen Taucheranzug basteln.
- Damit die Tragetasche während des Transports zum Kunden nicht verschmutzt wird, muss sie natürlich in eine separate Plastiktüte gepackt werden.
- Ein Gutschein für irgendeine “award-winning” Software, die angeblich 99 US-Dollar wert ist. Aber klar doch, mit dem Kauf einer Speicherkarte im Wert von 32 Euro bekommt man 99$ geschenkt.
- Ein Werbezettel für andere Produkte aus dem Hause SanDisk. Man darf allerdings nur ein Stück pro Monat bestellen, da die Jungs vom DSD sonst nicht mit der Lieferung von Altpapier und -plastik nachkommen.
- Oha, wir nähern uns des Päckchens Kern: Dieses kleine Stück Plastik ist ein kleines Etui, dass tatsächlich von Nutzen sein kann, wenn man mehrere SD-Karten dabei hat. Eine in der Kamera, eine im Etui.
- Jaaaaaaaaaaaaaaa! Da ist sie, die Speicherkarte. Fast in dem ganzen Müll untergegangen und versehentlich entsorgt, aber doch noch gefunden.
- Das wichtigste am ganzen Inhalt: Eine Entsorgungsanleitung. Leider nur für die SD-Karte, nicht für den restlichen Müll.
Und so habe ich einen Haufen Müll gekauft, der gefühlte 95% Volumen- und Masseprozent des Gesamtprodukts ausmacht. Denn bis auf die Speicherkarte und das Plastiketui wandert alles in den Müll. Ich hätte lieber, meinetwegen auch zum selben Preis, nur das Etui mit der Karte darin erworben.




Putzlowitsch 28.09.2007 um 11:13 #
Und falls man das Ganze bei einem Versender bestellt hat, gibts nochmal einen riesigen Versandkarton inklusive diversem Füllmaterial dazu, natürlich als Paket. Dabei hätte für die Karte selbst locker ein Brief gereicht (bei mir war es eine SanDisk CF-Karte).
Ein Versender hatte mir doch aber mal tatsächlich die kostenlose Nachlieferung eines Kleinteils als Brief zukommen lassen, wahrscheinlich aber nur, um die zusätzlichen Versankosten zu minimieren.
Gruß
Ingo