Schwere Entscheidungen
Was würdest Du machen, wenn Du eine E-Mail bekommst, in der Dir ein gut bezahlter und interessanter Job in den USA angeboten wird? Wohlgemerkt, keine von den Spam-Mails, in denen man zum Geldwäscher angeworben wird. Der Absender weiß, wem er schreibt. Was würde Dir durch den Kopf gehen?
Ich frage nicht ohne Grund, denn genau das ist mir gestern früh passiert:
Alex,
Hey - I came across your name online and wanted to let you know about a software engineering position available here at Rapleaf.
We’ve already hired some of the top software engineers in the industry and we’re looking for one more. If you’re interested, this is a great opportunity to get your foot in the door of a VC funded startup in downtown San Francisco.
The job description is below. Please feel free to forward this along or if interested, please email me at *****@*****.
Best,
*****
Die angekündigte “job description” ist zwar sehr Buzzword-lastig, aber wie man entnehmen kann, wird der Job fürstlich entlohnt, und man arbeitet in einem kleinen Team von Gleichgesinnten. Also eigentlich alles, was das Herz begehrt. Oder?
Ich habe die Anfrage schweren Herzen ablehnen müssen, und zwar aus verschiedenen Gründen: Zum einen habe ich selber Kunden, und die kann ich nicht einfach sitzen lassen. Natürlich könnte man die Projekte abgeben, aber das ist nicht gerade nett und auch nicht so einfach. Zum anderen ist es mir etwas zu kritisch, zu einer frisch gegründeten Firma auf einen anderen Kontinent zu wechseln; auch wenn sie Venture-Kapital im Rücken hat, ist fraglich, wie lange man den Job macht, und ob man nicht früher als gewünscht wieder ein “freier Mann” ist. Ich wäre durchaus bereit, für ein Jahr oder zwei oder weniger ins Ausland zu gehen. Ich fände auch die Arbeit in einem IT-Startup sehr interessant. Aber beides zusammen ist schon sehr riskant, und daher müsste es schon einen anderen ausschlaggebenden Faktor geben.
Der ausschlaggebende Faktor in meinem Fall war, allerdings zu Ungunsten von Rapleaf, dass ich mich nicht mit der Firmenphilosophie nicht identifizieren kann. Rapleaf ist eine Plattform, auf der man andere Menschen bewerten kann. Man gibt eine E-Mail-Adresse ein und kann deren Inhaber bewerten bzw. Bewertungen lesen. Das ganze wird verkauft unter dem Motto “wer sich gut benimmt, kann seinen Marktwert steigern”. Ich sehe darin aber eher eine Plattform für Überwachung, Denunziantentum und Diffamierung. Das ist vielleicht etwas pessimistisch, aber ich befürchte, dass die viele Menschen sich erst die Mühe machen, eine solche Plattform zu nutzen, um schlechte Erfahrungen zu transportieren. Insofern kann man wohl froh sein, wenn man über diese Plattform nicht gefunden wird.
Aber in einigen Jahren wird es wohl völlig normal sein, dass man gerapleaft wird, und wenn ich dann meinen Enkeln erzähle, dass ich am Aufbau dieser Technologie hätte mitwirken können, dann werden die Enkel milde lächeln und “Jaja” sagen.
Übrigens, falls jemand an dem Job interessiert ist (ernsthaft), kann er/sie sich bei mir melden. Ich bekäme im Erfolgsfall sogar eine saftige Provision.



Roman 02.09.2007 um 17:48 #
In diesem Zusammenhang ist mir eben dieser Link über den Weg gelaufen:
http://news.zdnet.com/2100-9588_22-6205716.html
Greets,
Ro