27. Juni 2007, 11:32 Uhr

Wikipedia.de jetzt als Suchmaschine – freie Fahrt für’s Geldverdienen oder juristisches Appeasement?

Unter der Domain www.wikipedia.de ist jetzt ein eigenständiges Portal zu erreichen, das als Suchmaschine für die eigentliche deutschsprachige Wikipedia fungiert, die nach wie vor unter de.wikipedia.org zu erreichen ist. Vorher war wikipedia.de eine Weiterleitung zum “echten” Portal.

Das Design der neuen wikipedia.de erinnert sehr an die Google-Startseite: minimalistisches Layout, großes Suchfeld in der Mitte, wenige Links drumherum. Sehr sexy ist die AJAX-basierte Suchbegriff-Vorschlagfunktion, mit der mögliche Treffer mit dem bereits eingegebenen Wortanfang in einer Dropdown-Liste ausgegeben werden. Funktioniert zwar noch nicht ganz reibungslos (zumindest in meinem Browser Konqueror), aber das Ziel ist zu erkennen: ein funktionales Frontend zum Wust des weltweiten Wissens.

Ob der Grund für die Verselbständigung rein organisatorische Gründe hat, ist nicht bekannt. Zumindest wird nun mit der Domain anscheinend Geld verdient, das lassen zumindest die eingebetteten Weiterleitungen zu T-Online und anderen Portalen vermuten. (Speziell im Fall T-Online ist es sogar sehr wahrscheinlich so.) Ein weiterer/anderer Grund könnte aber auch sein, dass man sich beim deutschen Wikimedia e.V. von der juristisch unabhängigen Original-Wikipedia lösen wollte: In der Vergangenheit gab es öfter Verfügungen gegen die Wikimedia aufgrund der Weiterleitung zum Mutterportal, wie etwa im Fall des unter mysteriösen Umständen gestorbenen Hackers “Tron”, dessen Eltern die Nennung des Realnamens in der Wikipedia verhindern wollten. Ähnliche Dispute gab/gibt es mit dem Komiker Atze Schröder und mit der neoliberalen “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft”.

Nachtrag (21:13):
Sieh mal einer an — Die Auseinandersetzung zwischen Atze Schröder und Wikimedia e.V. ist um ein Kapitel reicher: Atze Schröder muss die Prozesskosten für seinen kläglichen Klageversuch selbst tragen.