8. Juni 2007, 20:03 Uhr

Galileo: Milliardengrab ohne Boden

An sich ist Galilieo ein begrüßenswertes Projekt: Alternativ zum GPS des US-Militärs soll ein europäisches Satellitennavigationssystem etabliert werden. Nur leider ist so ein System nicht ganz billig. Dass es einige Milliarden kosten würde, war den meisten von Beginn an klar. Doch vor wenigen Wochen hieß es: Galileo ist tot, zig Millionen Euro sind futsch. (Auch hier bleibt übrigens wieder ein schaler Beigeschmack: Wie kann man soviel Geld versenken, ohne dafür etwas zu bekommen? Wieso wurden bei der Auftragsvergabe keine Garantien gefordert?)

Nun aber soll es doch weitergehen, die EU-Verkehrsminister unter Leitung von Wolfgang “Leipzig 2012″ Tiefensee wollen an dem Projekt festhalten. Aber: Die Finanzierung ist immer noch nicht geklärt. Das Problem scheint zu sein, dass man der Industrie nicht verklickern kann, wie man mit Galilieo Geld machen kann — zumal GPS ja derzeit problemlos allen zur Verfügung steht.

Ich finde, wenn man schon eine Alternative zu GPS aufbauen will, könnte man sich ja ruhig auch davon inspirieren lassen. Bei GPS sind nämlich mitnichten alle Signale frei empfangbar bzw. benutzbar. Es gibt nämlich sogenannte Y-Codes, die die Peilungsdaten verschlüsselt senden. Um diese Daten verwenden zu können, braucht man spezielle Geräte, die normalerweise nur US- und NATO-Militäreinheiten haben. Ohne die Y-Daten ist die Peilung nur auf ca. 50-100 Meter genau. (Navigationssysteme gleichen diese Ungenauigkeit teilweise durch das Einbeziehen anderer Umgebungsfaktoren aus.)

Warum kann man das nicht auch bei Galilieo so ähnlich machen? Man könnte das Grundsignal frei verfügbar machen und ein genaueres Signal gegen Lizenzgebühren vermieten. Oder, noch besser: Man macht veröffentlicht die Schlüssel grundsätzlich frei und kostenlos für den Privatgebrauch, wer aber bspw. eine Galileo-Navigationsanlage verkaufen möchte, muss Lizenzen kaufen. So könnte man das System über die Jahre locker refinanzieren — und besser als GPS wäre es allemal.

3. Mai 2007, 21:15 Uhr

(Mehr) OpenSource für Berlin

Dieser Tage wird in Berlin diskutiert, inwieweit die Stadt Teile ihrer Infrastruktur auf Freie Software migrieren soll bzw. kann. Vor allem wird diskutiert, ob die vorgesehene Migration plangemäß voran geht oder ob es Defizite bei der Umstellung gibt.

Derweil gibt es ein Expertenpapier vom Institut für Wirtschaftsinformatik, das nochmals feststellt, dass die (übrigens nach wie vor dramatisch verschuldete) Hauptstadt mit einer konsequenten OpenSource-Strategie massiv Kosten sparen könnte.

Die Expertise nennt als weitere Vorteile der Open-Source-Nutzung die Unabhängigkeit von Microsoft-Vorgaben bei der Lizenzierung und dem zyklischen Update von Software sowie die “Stärkung regionaler Wertschöpfung”. Von einer Open-Source-Strategie profitieren demnach vor allem kleine und mittlere IT-Unternehmen aus der Region. Sie übernehmen für die Verwaltungen in der Regel Dienstleistungen wie Programmierung, Konfiguration oder Anpassung von Open-Source-Software an spezifische Bedürfnisse sowie die Unterstützung in der Einführungsphase und späteren Support.

Quelle: golem.de

Das gilt übrigens nicht nur für die Stadt Berlin, sondern prinzipiell für alle Einrichtungen, die durch Steuereinnahmen finanziert werden.