10. November 2008, 13:50 Uhr

Der Untermensch als Ersatzteillager

Ein schönes Beispiel für die Verkommenheit und den Zynismus der “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM) ist die Forderung ihres Mitglieds Peter Oberender, Organhandel zu legalisieren.

(Anmerkung: Das betreffende Interview hat bereits im Jahr 2006 stattgefunden; ich bin aber erst jetzt darauf gestoßen. Ich konnte im Übrigen keine Hinweise darauf finden, dass sich Oberender von dieser und ähnlichen Positionen distanziert hätte. Insofern halte ich es für legitim, nochmals darauf hinzuweisen.)

Es ist doch folgende Situation: Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren. So muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit haben, durch den Verkauf von Organen und zwar geregelten Verkauf … ähnlich der Börse, dass man sagt, wer ist zugelassen zu dem Handeln. Es muss auch geprüft werden, wer darf das Organ entnehmen. Und dann wird praktisch das Organ versteigert.
Peter Oberender in einem Radio-Interview

Die Konsequenz aus der Legalisierung ist dann wohl eine Zwangsversteigerung der Organe, bspw. wenn ein Gläubiger keine andere Zahlungsmöglichkeit mehr hat. Denn bspw. ALG2-Empfängern schreibt die Arbeitsagentur vor, dass “Sie und alle erwerbsfähigen Mitglieder Ihrer Bedarfsgemeinschaft alle Möglichkeiten nutzen, Ihre Hilfebedürftigkeit zu verringern bzw. zu beenden”.

Weiterhin fordert Oberender die internationale Legalisierung und Internationaliserung des Organhandels, sprich: “sich in dieser Sache emotional frei zu machen und langfristig das Importverbot für Organe aus Dritt-Welt-Ländern aufzuheben.”

Soso. Das haben Sie sich fein ausgedacht, der Herr Peter Oberender: Wenn wir schon leistungsunfähige Schmarotzer durchfüttern müssen, dann benutzen wir sie wenigstens als lebende Ersatzteillager. Genauso machen wir es mit den Untermenschen aus Indien und der Dritten Welt. Damit uns nämlich die deutschen Schmarotzer nicht die Preise kaputtmachen, setzen wir auf Liberalisierung und gute Preise. Von guten Preisen können wir natürlich ausgehen, denn wo ein Angebot von ca. einer Milliarde verzweifelter Hungerleider auf eine Nachfrage von ein paar tausend Begüterten treffen, die sich den “Einbau” leisten können, dann kann so eine Niere sicherlich für einen zweistelligen Betrag zu bekommen sein. Vielleicht gibt es sogar bald Spenderherzen und -lebern — ganz frisch von armen Schluckern, die sich zum Wohle ihrer Familie von einem Mafiaarzt hinrichten und ausschlachten lassen.

Ach, soweit haben Sie gar nicht gedacht, Herr Oberender? Falls das wirklich so sein sollte, was mir zu glauben schwerfällt, dann sollten Sie, Herr Professor für Ökonomie Oberender, von Amt und Würden zurücktreten und sich in einem dunklen Loch verkriechen.

Nachtrag, 12.11.08: Soeben bin ich noch auf einen interessanten Artikel bei der Onlineausgabe der Süddeutschen gestoßen, in dem etwas genauer ausgeführt wird, was “Organspende” alles umfasst und was mit gespendeten Organen gemacht wird.

Auch wenn Politiker und Mediziner in der Öffentlichkeit einen anderen Eindruck erwecken: Längst übertrifft die Verwertung von Gewebe die Organspende. “Nur rund 4500 Menschen bekommen in Deutschland jährlich Organe verpflanzt”, schreibt Martina Keller. “Hingegen wird mehreren Zehntausend Gewebe transplantiert.”

Das betrifft zwar vor allem die Verwertung der Organe von bereits Gestorbenen, aber es ist ebenfalls ein interessanter Aspekt hinsichtlich der Kommerzialisierung der Organspende.