29. Mai 2007, 12:41 Uhr

Unsicherheit per Gesetz

Das Strafgesetzbuch ist um einige Regelungen erweitert worden, die sogenannte “Hackerwerkzeuge” verbieten. Allerdings hat der Bundestag damit der professionellen und semiprofessionellen IT-Sicherheit in Deutschland einen Bärendienst erwiesen.

So nett das auch von unseren (leider völlig inkompetenten) Gesetzesdichtern gemeint war — die Novelle ist aus verschiedenen Gründen absoluter Murks.

  • Die Werkzeuge zum Angreifen eines Computersystems sind oft exakt die gleichen, die zum Aufdecken, Analysieren und Abwehren von Angriffen verwendet werden.
  • Es ist völlig unsinnig, solche Werkzeuge in Deutschland zu verbieten, da der überwiegende Teil von Angriffen aus dem Ausland stammt; meist aus Ländern, auf die Deutschland kaum Einfluss hat.
  • Es gibt nach Ansicht von Experten auch ohne die Novelle eine ausreichende Handhabe gegen Computerkriminalität.
  • Das Verbot wird sich im Privatbereich nicht durchsetzen lassen, da es für einen erfahrenen Anwender kein Problem ist, solche Tools zu verstecken (auch vor einer “Online-Durchsuchung”). Während professionelle Dienstleister sich aus geschäftlichen Erwägungen dem Verbot beugen müssen, wird es Kriminelle kaum interessieren.

Die Frage ist nun, warum wird eine solche Gesetzesnovelle trotz aller Bedenken und wider besseren Wissens durchgeprügelt? Blinder Aktionismus? Oder sollen kritische IT-Experten bald zu Terroristen erklärt werden?

20. Mai 2007, 20:39 Uhr

Inkompetente Kompetenzträger

Das wirtschaftliche und politische Leben, zumindest in den westlichen Ländern, ist von Technologie durchdrungen. Da sollte man doch annehmen, dass die wirtschaftlichen und politischen Führungspersönlichkeiten sich zumindest grundlegendes Wissen aneigenen, bevor sie weitreichende Entscheidungen über die gesellschaftlich relevante Verwendung bzw. Ausgestaltung von Technologien entscheiden (oder auch nicht).

Doch: Um die fachliche Kompetenz von Wolfgang “Online-Durchsuchung” Schäuble und seinen Kollegen ist es schlecht bestellt: Nicht einmal rudimentäre Kenntnisse von Alltagstechnologien sind von den Entscheidungsträgern zu erwarten — und das ist kein Problem des Alters, sondern des mangelnden Willens.

Das ist alles nicht wirklich neu, aber ein recht lesenswerter Beitrag im Handelsblatt-Blog wirft Licht auf Details und Hintergründe.