Galileo: Milliardengrab ohne Boden
An sich ist Galilieo ein begrüßenswertes Projekt: Alternativ zum GPS des US-Militärs soll ein europäisches Satellitennavigationssystem etabliert werden. Nur leider ist so ein System nicht ganz billig. Dass es einige Milliarden kosten würde, war den meisten von Beginn an klar. Doch vor wenigen Wochen hieß es: Galileo ist tot, zig Millionen Euro sind futsch. (Auch hier bleibt übrigens wieder ein schaler Beigeschmack: Wie kann man soviel Geld versenken, ohne dafür etwas zu bekommen? Wieso wurden bei der Auftragsvergabe keine Garantien gefordert?)
Nun aber soll es doch weitergehen, die EU-Verkehrsminister unter Leitung von Wolfgang “Leipzig 2012″ Tiefensee wollen an dem Projekt festhalten. Aber: Die Finanzierung ist immer noch nicht geklärt. Das Problem scheint zu sein, dass man der Industrie nicht verklickern kann, wie man mit Galilieo Geld machen kann — zumal GPS ja derzeit problemlos allen zur Verfügung steht.
Ich finde, wenn man schon eine Alternative zu GPS aufbauen will, könnte man sich ja ruhig auch davon inspirieren lassen. Bei GPS sind nämlich mitnichten alle Signale frei empfangbar bzw. benutzbar. Es gibt nämlich sogenannte Y-Codes, die die Peilungsdaten verschlüsselt senden. Um diese Daten verwenden zu können, braucht man spezielle Geräte, die normalerweise nur US- und NATO-Militäreinheiten haben. Ohne die Y-Daten ist die Peilung nur auf ca. 50-100 Meter genau. (Navigationssysteme gleichen diese Ungenauigkeit teilweise durch das Einbeziehen anderer Umgebungsfaktoren aus.)
Warum kann man das nicht auch bei Galilieo so ähnlich machen? Man könnte das Grundsignal frei verfügbar machen und ein genaueres Signal gegen Lizenzgebühren vermieten. Oder, noch besser: Man macht veröffentlicht die Schlüssel grundsätzlich frei und kostenlos für den Privatgebrauch, wer aber bspw. eine Galileo-Navigationsanlage verkaufen möchte, muss Lizenzen kaufen. So könnte man das System über die Jahre locker refinanzieren — und besser als GPS wäre es allemal.



Locked 09.06.2007 um 18:14 #
> Warum kann man das nicht auch bei Galilieo so ähnlich machen?
Genau das ist/war geplant. Signal mit Standardgenauigkeit frei. Ein weiteres für “commercial services” und ein hochverfügbares für staatliche Zwecke.
Nur ist das eine Katze, die sich in den Schwanz beißt: wieso will ich als Firma ein Milliardensystem aufbauen, wenn es keine Geräte dafür gibt. Und wieso will ich Geräte für ein System bauen, bei dem es momentan schwer fraglich ist ob es jemals abhebt.
Peter 09.06.2007 um 23:29 #
Wie so üblich scheitern europäische Projekte an der
Uneinigkeit der Beteiligten (siehe “EU-Verfassung”).
Der Leidtragende ist letztendlich wieder der Bürger
(siehe “Euro-Einführung”). Wie wär’s mit einer EU-Volks-
abstimmung zu Galileo. Natürlich wurde Galileo dann erst
recht scheitern, aber somit auch viel Europabürgergeld
eingespart, welches dann zu Bildungszwecken verwendet
werden könnte (siehe “Fachkräftemangel”).
Locked 11.06.2007 um 09:14 #
Das ist nun mal Politik - von Volksabstimmungen halte ich nicht zu viel - da stimmen viele Leute ab, für die der Sachverhalt zu komplex ist und die nicht in den Zeitspannen denken (wollen) für die so ein System ausgelegt ist (>25Jahre).
Besser wäre es, wenn solche großen Projekte besser geplant wären (ist klar). IMO war es Blödsinn so ein Projekt privat finanzieren zu lassen. Andere Staaten machen das aus gutem Grund auch staatlich. Bei Airbus zB wäre weniger staatlicher Einfluss wohl positiv, bei Galileo evtl genau andersrum - eine Gratwanderung bei der man hinterher natürlich leicht sagen kann, dass die Entscheidung vorneraus Blödsinn war.
Aber ohne Fehlschläge auch kein Lerneffekt - leider ist dies eine teure Lehre - aber vielleicht eine die durchwandert werden muss?
Alex 11.06.2007 um 10:18 #
Ich halte es prinzipiell auch nicht für verkehrt, solche Projekte staatlich zu finanzieren. Ich denke auch, dass der Versuch, das Ganze primär durch die Wirtschaft zu finanzieren, in einem Henne-Ei-Problem enden würde.
Wenn aber solche Projekte aus Steuergeldern finanziert werden, dann müssen die entsprechenden PPP-Verträge auch Sicherheiten für die Geldgeber (i.e. die Steuerzahler) enthalten. Das heißt, wenn das Projekt scheitert, muss es eine zumindest teilweise Erstattung der Kosten geben. Und wenn das System beginnt, sich zu amortisieren, dann müssen die Gelder in die Staatskassen zurückfließen und bspw. zu Steuerentlastungen oder Schuldentilgung führen.
Naja, aber das ist nur meine naive Meinung/Hoffnung.
Locked 11.06.2007 um 15:31 #
Durchaus war - ich sehe da nur den Haken der Zeitspanne: Das amerikanische GPS hat volle 15 Jahre vom ersten Satelliten bis zur offiziellen Bereitschaft gebraucht - also zwischen 15 und ~20Jahren einfach nur Kosten produziert.
http://de.wikipedia.org/wiki/Global_Positioning_System#Geschichte
Galileo sollte 2011 betriebsbereit sein - naja sagen wir mal realistisch vielleicht 2015. Also >10 Jahre lang Kosten, die ja dann nicht einfach aufhören. Dann geht der Wettbewerb mit GPS und GLONASS ja erst richtig los.
Ab wann will man hier von einem Scheitern reden? Wenn sich das System bis 2035 nicht amortisiert hat? Wenn es bis 2030 keine roten Zahlen mehr schreibt?
Für _mich_ nicht so einfach zu entscheiden als es sich in den 3minütigen Beiträgen der Nachrichten anhört.