Herrlich. Diejenigen, die regelmäßig gegen mehr Staat demonstrieren, fordern nun eine “härtere Gangart” bzw. die Anwendung des gesamten dimplomatischen Arsenals gegen “unkooperative” Zwergstaaten. Nötig wäre “unter anderem ein routinemäßiger Informationsaustausch”. Diese Forderungen stammen nicht wie üblich aus dem Munde unseres Sicherheitsministers, sondern von der sonst so obrigkeitsskeptischen ATTAC.
Wahnsinn. Erst gehen wir (einschl. ATTAC) auf die Straße und protestieren ehrlichen Herzens gegen Fluggastdatenweitergabe, Aufhebung des Bankgeheimnisses, Antiterrordatei, Europolisierung des Polizeiwesens, etc. pp. — und dann fordern diese Knalltüten von ATTAC plötzlich genau das gleiche, nämlich internationale Datenbanken und Informationsaustauschsysteme.
Aber es kommt noch, hm, “besser”: Bei ATTAC hat man offenbar völlig das Gefühl für Realität verloren und präsentiert auf einer eigens eingerichteten Antisteuerflüchtlingswebsite folgende grandios abscheuliche Aussage:
Mindestens 300 Milliarden Euro haben Ex-Postchef Zumwinkel & Co. in Steueroasen zwecks Hinterziehung verschoben. Dies ist nur die Spitze des Eisbergs.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 300 Milliarden. Nur die Spitze des Eisbergs. Keine Gesamtsummen, sondern nur das, was widerrechtlich am Fiskus vorbeigeschafft wurde. Und das auch nur in Deutschland, denn zwei Sätze später soll der geneigte Leser “Angela Merkel und Finanzminister Steinbrück” dazu auffordern, “konsequent gegen Steueroasen vorzugehen und die Steuerfahndung auszubauen”(!) — und damit werden wohl kaum russische Ölmagnaten gemeint sein.
Nehmen wir also an, es wären tatsächlich 300 Milliarden. Spitze des Eisbergs heißt svw. etwa 1/10 der Gesamtmasse, wären wir also bei 3 Billionen Euro, die in Deutschland an Steuern hinterzogen worden sind. Das hieße, dass bei 45% Spitzensteuersatz etwa 7 Billionen Euro zu versteuern gewesen wären. Nehmen wir weiter an, dass sich die ATTAC-Zahlen auf die letzten 10 Jahre beziehen (einen Zeitraum für die angebliche Hinterziehung dieser Summen nennt ATTAC leider nicht), dann wären das wiederum 700 Milliarden Euro, die jährlich an Managergehältern in Deuschland gezahlt werden. Schön wär’s, werden die Manager sagen.
Aber zurück zu ATTAC: Wie kann man nur so blöd sein und einen Ausbau der Steuerfahndung fordern?! Wen wird es denn zuerst treffen? Eure Klientel! Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass alle Topmanager so unvorsichtig sind wie Zumwinkel und so einen vordergründigen Quatsch machen wie Stiftungskapital in Liechtenstein. Aber selbst wenn: Liechtenstein ist out, na und? Bauen wir eben ein Freizeitpark auf dem Cayman Islands.
Was aber macht Kalle aus Halle (Westfalen)? Der wird demnächst von ausgebauten und mit neuen Durchsuchungsbefugnissen ausgestatteten Steuerfahndung zuhause besucht. Denn, was ATTAC vergisst, ein guter Teil des Eisberges besteht aus Taxiquittungen, Bewirtungsbelegen und sonstigen fragwürdigen “Werbungskosten”.