Neoliberal trifft Neokonservativ auf der Blümchenwiese
Tchja, Frau Koch-Mehrin: Natürlich kann man es sich einfach machen, wenn man als Neoliberale und intellektuelle Platzpatrone über ein erzkonservatives Schmierblatt ablästern darf: Wagner für einen Irren halten (”Wagner spricht mit dem Jackpot”) und “Bild” generell blöd finden (”Gibt es denn gar nichts Überraschendes, Originelles, Gemeines, Relevantes?”). Aber so einfach macht es sich eine Liberale und blonde Karrieretusse natürlich nicht. Denn man ist ja Teil des europäischen Politikbetriebs. Und nebenbei noch (oder hauptamtlich?) Lobbyistin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) — was im BILDblog-Artikel seltsamerweise nur sehr zaghaft erwähnt wird.
Dass Sie, Silvana Koch-Mehrin, sich freuen wie eine Schneekönigin, ist verständlich: sind Sie doch ausnahmsweise mal auf der Seite der halbwegs Guten. Nicht, dass Sie der Wahrnehmung der BILD-Zeitung bei der BILDblog-Klientel etwas hinzuzufügen hätten. Aber BILD-Bashing auf unterstem Niveau tut mal ganz gut, wenn man sonst nur BILD-lesend mit dem Auto ins Europaparlament fährt, um Gesetze zum Wohle der Wirtschaftskapitäne zu erarbeiten. Genießen Sie es! Vermutlich haben Sie es mit der Aktion sogar geschafft, dass der pseudokritische Durchschnittsleser von BILDblog Sie — und womöglich gar die INSM? — mit einem warmen Bauchgefühl assoziiert. A propos warmes Bauchgefühl, Frau Koch-Mehrin: Sie gehen in den Mutterschutz? Verstehe ich recht, Sie nehmen staatliche Förderungen für Karriereflüchtlinge in Anspruch? Was sagt denn die INSM dazu?
Bleibt die Frage: Warum gibt sich BILDblog mit einer Lobbytante ab? Klar, man darf auch Menschen mit nicht-zielgruppenopportunen Ansichten und Tätigkeiten zu Wort kommen lassen — aber müssen das gleich solche sein, die eine Organisation fördern, welche aus Profitgier den Sozialstaat abschaffen will, und die sich, in ihrer Eigenschaft als Lobbyisten dieser Organisation, ins Europaparlament eingeschlichen haben? Tja, so ist das mit der Prominenzgier: Die Feinde meines Feindes sind wenigstens dann meine Freunde, wenn ich mich mit ihrem Namen schmücken kann. Liebe BILDblogger, falls Ihr noch niemanden für den 24. Dezember habt, engagiert doch bitte Florian Gerster, seines Zeichens Chef der Springer-eigenen PIN AG und außerdem, genau: Mitglied des Fördervereins für die INSM!
Nachtrag (22:26): F!XMBR ist die INSM-Tante bei BILDblog ebenfalls wenig geheuer.



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