7. August 2007, 01:49 Uhr

Die Lösung des Henne-Ei-Problems

Das Henne-Ei-Problem ist ein Paradoxon, eine Satire auf das Konzept der Kausalität. Das Problem ist allgemein bekannt und stellt sich wiefolgt dar: Hennen legen Eier, aus denen neue Hühner schlüpfen — doch was war zuerst da? Das Ei oder das Huhn?

Im Mai des letzten Jahres haben einige “Forscher” verkündet, eine Lösung für das Henne-Ei-Problem gefunden zu haben, wie man diversen Online-Medien (1, 2) entnehmen kann. Sie stellten fest, dass das Ei vor dem Huhn da gewesen sein müsse, da ja das erste Huhn aus einem Hühnerei geschlüpft sein müsse, und letztlich sei ja egal wer das Ei gelegt habe.

Doch eine wirkliche Begründung konnten die “Forscher” nicht liefern. Außerdem ist die Erklärung definitorisch unbefriedigend: Was ist, wenn jenes Ei von der Typologie noch gar nicht den Hühnern zugerechnet werden konnte, das daraus geschlüpfte Huhn hingegen schon, zumindest im Laufe seiner Entwicklung? Wenn man es so betrachtet, müsste man sogar dem Huhn den Vorrang geben, denn ein vorhuhnartiges Wesen, das mehrere Jahre lebt und bedeutend mehr evolutionär relevante Erfahrungen macht, hat vermutlich größere Chancen, in einem späten Stadium die Schwelle von Nicht-Huhn zu Huhn überschritten zu haben (und noch schnell ein Ei zu legen) als ein Ei, dessen wenige Wochen der Brut nicht gerade von einschneidenden Erlebnissen geprägt ist.

Dennoch ist das Ei älter: Denn das Ei ist ein Konzept, das Huhn ist eine Spezies. Das Ei ist abstrakt, das Huhn ist konkret. Eier gab es schon lange, bevor es Vögel oder sonstige Landlebewesen gab, Milliarden von Jahren liegen zwischen dem ersten Ei und dem ersten Huhn. Ei bedeutet: Der Nachwuchs wird in eine Keimzelle gesteckt, die mit einer Schutzhülle versehen ist und “vorzeitig” zur Welt gebracht. Gründe für die Entwicklung eierlegender Wesen können verschiedene sein — etwa höhere Flexibilität der Eltern bei Jagd und Flucht oder einfach körperbaubedingte Sachzwänge (z.B. bei Fischen).

Daher verkünde ich hiermit, dass das Henne-Ei-Problem endgültig gelöst ist, und zwar mit einem riesigen Vorsprung für das Ei im Hinblick auf die Existenzdauer.

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