Weiter geht’s
Während des Trubels der letzten Tage habe ich viel darüber nachgedacht, was Community bedeutet, wie die deutsche WordPress-Community aussieht und was man tun sollte, wenn man im Namen der Community zu handeln vorgibt. Ebenso habe ich viel gelesen, was in der real existierenden Community zum Thema Teilung/Neuanfang gesagt wurde und habe auch das in meine Überlegungen einbezogen.
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es wohl im Interesse der meisten Benutzer ist, wenn es zu keiner harten Trennung kommt. WPD hat eine gute Support-Plattform, und wenn man Community als Gemeinschaft begreift, dann ist eine kooperative Community besser als zwei konkurrierende. Ferner hatte ich bereits in meinem ersten Beitrag zum Thema gesagt, dass wir WPD die Chance zu einem radikalen Umdenken und der sich daraus ergebenden Verhaltensänderung geben sollten, und meiner Ansicht nach ist das geschehen, indem die Version 2.3 neu veröffentlicht wurde und sich das WPD-Team in Gestalt von Olaf geläutert gezeigt hat. Insofern ist die Situation heute eine andere als Freitag nachmittag, und ich denke, man kann prinzipiell zusammenarbeiten.
Es ist aber vermutlich genau so im Interesse der meisten Beteilgten, wenn die Kompetenzen innerhalb der Community etwas entzerrt werden, so dass nicht die Ansichten und Handlungen weniger Personen das Zusammenleben beeinträchtigen können. Daher ist es sinnvoll, gewissermaßen eine “Gewaltenteilung” zu praktizieren, indem einzelne Bereiche aus WordPress Deutschland ausgegliedert und in die Obhut einer von WPD unabhängigen Instanz zu gegeben werden.
Ich habe heute nachmittag mit Olaf kurz gemailt, und wir könnten uns beide vorstellen, dass die Aufteilung in Zukunft wiefolgt aussieht: WPD bleibt weiterhin primäre Community-Plattform, während die Pflege der deutschsprachigen WordPress-Version von einem Team auf de.wordpress.org übernommen wird. Auf diese Weise wird der Bruch in der Community vermieden, und gleichzeitig gibt die Gewaltenteilung. Das ist die Grundidee, unter der Olaf und ich uns eine Zukunft der deutschsprachigen WP-Community vorstellen könnten — aber natürlich sind das nur zwei Einzelmeinungen, und es ist wichtig, dass auch andere ihre Meinung sagen, evtl. alternative Vorschläge machen und schließlich auch an Umsetzung mitarbeiten.
Mit der Gewaltenteilung ist es aber nicht getan. Ich hatte in meinem ersten Beitrag einen Community-Kodex vorgeschlagen, und die Idee ist auf Zustimmung gestoßen. Auf de.wordpress.org wird es soetwas definitiv geben, und ich würde mich über (weitere) Vorschläge zum Inhalt eines solchen Kodexes freuen.
Ich kann verstehen, wenn nun diese Lösung unter denjenigen, die einen radikalen Neuanfang wollten, eine gewisse Enttäuschung auslöst. Aber ich möchte zu bedenken geben, dass wir einen Bruch nicht um des Bruchs forcieren wollten, sondern zum Wohle der Community. Zu dem Zeitpunkt, als die radikale Trennung durchdacht wurde, stellte diese die beste Lösung dar, jetzt sieht es etwas anders aus. Ich lade diejenigen ein, die unabhängig von WPD etwas für die deutschsprachige Community tun wollen, unter de.wordpress.org die deutsche WP-Version zu pflegen und das offizielle, wenn auch kleine Portal zu betreiben.
In der Diskussion um den Neuanfang wurden ebenfalls Bedenken laut, ob de.wordpress.org nicht zu sehr unter der Knute von Automattic stünde, und ob eine wirklich unabhängige Community realisierbar wäre. Diese Bedenken sind absolut berechtigt; aber vielleicht kann ich sie teilweise entkräften:
- Die Pflege einer Software ist eine technische Angelegenheit, die wenig Potential birgt, zum Politikum zu werden.
- Paradoxerweise wird die Unabhängigkeit dadurch erhalten, dass WPD als Hauptanlaufstelle der Community unabhängig ist.
- Ich gehe davon aus, dass eine unabhängige und selbstbestimmte deutsche Community im Interesse von WordPress/Automattic ist, und ich bin sicher, dass wir auch genug kritische Masse (im doppelten Wortsinn) haben, um uns durchzusetzen.
- Sollte es doch zum Konflikt kommen, lasse ich mir mir den Mund nicht verbieten. Eher streike ich als dass ich mich prostituiere.
Was die Datenschutz-Problematik angeht, habe ich mir ebenfalls Gedanken gemacht. Ich hatte zuerst gesagt, dass es vielleicht besser wäre, eine lokalisierte Version nah am Original zu lassen, so dass sie sich auf sprachliche Unterschiede beschränkt. Mittlerweile finde ich die Idee einer angepassten, datenschutzfreundlichen Version als offizielle Version auch ganz gut, da dies offenbar einem großen Teil der deutschsprachigen Community sehr wichtig ist und da es schwierig bis unmöglich ist, einige der unerwünschten Funktionen über Plugins zu deaktivieren. Das ob und wie sollte aber in der Community diskutiert werden; ich möchte hier nur anmerken, dass auch diese Problematik nicht im Trubel der letzten Tage untergehen sollte.
Zu guter Letzt kann ich denjenigen empfehlen, die mit WPD, Automattic und nun möglicherweise auch mit de.wordpress.org nichts zu tun haben wollen, sich bei einer der bereits existierenden alternativen Communities umzuschauen, zum Beispiel bei WP-Portal. Auch andere Mütter haben schöne Töchter, und andere Communities haben interessante Ideen. (Ich denke, wir sollten andere deutschsprachige WP-Communities auch auf de.wordpress.org verlinken.)
Ferner habe ich gelesen, dass einige WordPress nun ganz den Rücken kehren möchten. Das ist natürlich schade, vor allem tut es mir Leid, sollte ich dazu beigetragen haben. Aber: Reisende soll man nicht aufhalten. Ich persönlich kann Serendipity empfehlen; das war bei meinen letzten Experimenten noch etwas grobschlächtig, aber es soll mittlerweile eine sehr gute Software sein.
P.S.: Der Buzzword-Zähler meldet: Das Wort Community wurde exakt 21 mal verwendet.



irrsinn.de 02.10.2007 um 22:53 #
Ich persönlich kenne hier kaum jemanden - das mich jemand kennt mag ich bezweifeln - ich würde es für mehr als sinnvoll halten, man könnte sich kennen lernen (zum Beispiel IRC, aber auch Skype-, Telefonkonferenz oder Treffen im RL wären ok). Ich habe nichts gegen Kooperationen, Kodi (Kodexe?) was mich persönlich stört ist, wenn jemand massive Fehler macht, diese nur unter Druck eingesteht, sich nicht entschuldigt und es so aussieht, als wäre es damit getan.
Wenn man mich haben will binde ich gern Kapazitäten für de.wordpress.org. Ich würde mich aber noch mehr freuen, wenn man in jedem Fall eine demokratische Struktur für was auch immer wählt und nicht einige wenige alle vor vollendete Tatsachen stellt - was dabei rauskommt, haben wir erst gerade gesehen.
Olaf Bosch 02.10.2007 um 23:13 #
FULLACK, irrsinn.de, (und das soll keine Anspielung sein
)
Ich seh da vor Allem keine Veränderung bei WPD, außer das du (Alex) dir mehr Arbeit aufhalst. Vielleicht kommts ja noch, aber die “Antworten” im Forum sind bisher mehr als unbefriedigend, bisher wie gesagt, es besteht ja noch Hoffnung.
Elias 02.10.2007 um 23:28 #
Achtung, Rechtschreibpolizei: Kodi?, Kodexe? … Kodizes!
Ich bin ehrlich gesagt eher froh über die jüngste Entwicklung bei WP Deutschland. Das klare Statement im Blog und die neue DE-Version sind ein Schritt in die richtige Richtung, der sich meinen Respekt verdient hat — wie die Telefonleitungen zu LinkLift geglüht haben müssen, das kann ich nur mutmaßen und es ist auch nicht mein Problem. Das Ansehen ist angeknackst, aber WPD hat der Versuchung widerstanden, sich mit dickem, versteinerten Schädel den Ruf völlig zu ruinieren. Das ist gut. Für WordPress. Und für alle Anwender dieser Software.
Für eine neue, offizielle WP-Deutschland-Community kann diese neue Situation ein Glücksfall sein, da sie nicht in Konfrontation errichtet werden muss. Das Forum bei WPD kann weiterhin ein wichtiger Anlaufpunkt sein, und von de.wordpress.org wird eher eine “offizielle deutsche WordPress-Version” ausgeliefert, was eine eher technische Aufgabenstellung ist. Natürlich mit allem, was dazu gehört — einschließlich Anpassungen in einigen wichtigen Plugins. (Leider ist nicht jedes Plugin leicht lokalisierbar, wie ich immer wieder feststellen muss.)
Ich kann nur hoffen, dass die Umgangsformen im Forum von WP Deutschland etwas erträglicher werden und die jüngsten Eskalationen vergessen machen. Mein Account wird dort auf ewig ruhen.
irrsinn.de 02.10.2007 um 23:42 #
Wie auch immer, Axel hat zum einen im Moment die de.wordpress.org “im Griff” und auf der anderen Seite steht überall im Web, dass es das nun als offizielle deutsche Anlaufstelle von Wordpress gibt und die Seite geht hinten und vorne nicht - ich erwarte keine Wunder aber der 03.10. an dem keiner Kundendruck hat wird “verrinnen” und nichts ist passiert, das ist Schade.
Alex 03.10.2007 um 00:33 #
irrsinn.de: Momentan gibt es noch keine vollendeten Tatsachen. Ich habe nur kurz mit Olaf von WPD gemailt, um die grundsätzliche Haltung in Erfahrung zu bringen. Alles was im obigen Beitrag zu lesen ist, sind meine Gedanken und Ideen; ich muss ja irgendwie konkrete Vorschläge machen, wie es weitergehen soll.
Momentan ist alles offen, was auch der Grund ist, weshalb es auf de.wordpress.org noch nicht viel zu sehen gibt. Was die Leute dazu schreiben ist mir relativ egal; ich nehme zwar gerne die Meinungen zur Kenntnis, aber eine weitreichende Diskussion ist noch lange kein Grund für Aktionismus. Ich denke, wir sollten lieber 1-2 Tage warten, Meinungen sammeln und dann mit dem Aufbau beginnen.
irrsinn.de 03.10.2007 um 02:51 #
Ok, informier mich bitte, wenn es weitergeht. Ich versuche in der Zwischenzeit ebenfalls mal meinen Gedanken und die Informationen, die ich bisher habe zu ordnen und werden dann de.wordpress.org nutzen. Dann sozusagen “bis später”.
Alex 03.10.2007 um 13:54 #
Es geht weiter!
Ich habe im neuen Forum einen Beitrag zur Organisation der Plattform geschrieben und hoffe auf rege Beteiligung.
LostBit 04.10.2007 um 00:02 #
Naja, mit “Page not found” wird es aber nicht viel weiter gehen.
Ich wollte noch was zur Angst um die Community loswerden, viele äußern ja die Befürchtung, dass jetzt Streit auf dem Rücken der Community ausgetragen wird, und in der Tat, das persönliche Hickhack nervt extrem, zieht beiden Seiten unnötig Energien ab und beschäftigt die User mehr als überhaupt nötig, und v.a. mit albernen Dingen.
Aber IMHO geht es primär eben NICHT um die Community, sondern um die Software. Der Spaß und der Stolz, mit einem bestimmten System zu arbeiten, speist sich m.E. zunächst mal weniger aus dem Vorhandensein einer Community, sondern aus der Tauglichkeit der Software.
Es ist gut, wenn man sagen kann: “Nimm dieses oder jenes, die Leute machen einen guten Job. Es ist einfach zu bedienen, sie sind hinter Sicherheitslücken her wie der Teufel hinter der Seele, wenn du mehr willst, ist es gut anpassbar, es ist so Klasse, dass sich da schon eine begeisterte Community gebildet hat, bei Problemen stehst du also nicht im Regen.”
Umgekehrt funktioniert das schon schlechter. “Viele Bugs, schlechtes Patchmanagement, wirre Benutzerführung, aber tolle Community”, würde mich als Empfehlung zweifeln lassen. (Ich zweifle auch, dass bei freier Software unter derartigen Voraussetzungen eine solche Community, die über einen Entwickler-Freundeskreis weit hinausgeht, überhaupt entstehen könnte.)
WPD hat das LL-Plugin der Standardauslieferung beigelegt, es war eine Änderung des Standards, und es gab berechtigten Zorn dagegen. Eine Ankündigung “Hey, Leutz, wir haben einen Partner gefunden, der tut dieses und jenes, und für Leute, die diesen Service nutzen wollen, gibt es sogar ein Plugin [Link dorthin] … tralala, dumdidum”, hätte vermutlich kaum irgendwelche Erschütterungen hervorgerufen. Von mir aus kann der Hinweis auch in jedem Blogeintrag erneut stehen, ich hasse Werbung zwar auch, aber solange ich mir keine Gedanken machen muss, ob Wordpress im Kern nicht eigentlich ein System für Freunde des Kommerzes ist, ob die Gefahr besteht, dass die Software irgendwann nach den Vorstellungen von Affiliate-Netzen und Werbepartnern entwickelt wird und nicht mehr nach den Vorstellungen der Blogger, wären mir solche Dinge schnurz.
Insofern finde ich es gut, dass eine deutschsprachige .org-Anlaufstelle entsteht, die sich möglichst eng an das Original hält und die m.E. auch und vor allem die Aufgabe hätte, über solche Ausrichtungen zu diskutieren, bzw. etwas dagegen zu unternehmen.
Ich sehe das nicht als Konkurrenz zu WPD. Wenn WPD dann eine Special-Edition für Geschäftlemacher herausgeben will mit LL- Google-Sonstwas-Plugin, Shop-Anbindung, Schießmichtot, wäre das okay für mich. Das würden sicherlich einige Leute freuen und nutzen, warum auch nicht -, aber die offizielle DE-Ausgabe auf .org bliebe unangetastet und .org wäre dann der eigentliche Anlaufpunkt, um grundsätzliche Kritik/Wünsche an WP loszuwerden, wie eben auch die Sache mit der Datenübermittlung, oder dass anscheinend von den Tagging-Möglichkeiten viele eher enttäuscht als begeistert sind. Was könnte WPD zu solchen Dingen schon sagen, außer den eigenen Unmut noch hinzuzutun, es sei denn, sie wollten’s umschreiben und unter eigener Regie herausbringen? WPD ist dafür vermutlich der falsche Beschwerdeort, ich könnte mir vorstellen, dass die auch manchmal ziemlich angepisst sind über einige Dinge an WP, wenn dann auf einmal User im Forum stehen und sagen: “Ey, Leute, meine Daten wollt ihr haben, aber für ein ordentliches Tagging wollt ihr erst mal abwarten, so geht das nicht.”
Insofern sehe ich die .org-Gründung auch als “Entzerrung” an, aber im Bereich der Auseinandersetzung mit der Kern-Software an sich und bitte schön nicht als “Entzerrung” (Spaltung) der Community.
Eine Chance, viel Arbeit, aber überhaupt keine Katastrophe, ganz und gar nicht.
Soweit meine 2 cents dazu. Nun will ich mal schauen, was subversion und gettext nun schon wieder fürn verdammtes Gefrickel sind. Vielleicht, wenn ich damit klarkomme, kann ich ein wenig bei den Übersetzungen mittun, keine Ahnung, falls für Sachen wie die überflüssige Datenübertragung keine Lösungen gefunden werden, interessiert mich das sowieso alles nicht mehr.
Alex 04.10.2007 um 01:24 #
Hallo LostBit, vielen Dank für Deinen Beitag, der mir im großen und ganzen aus der Seele spricht. Kurze Anmerungen: Subversion ist nicht ganz simpel, wenn man keine Versionsverwaltung (wie CVS) kennt, aber es ist ein geniales Werkzeug zur kollaborativen Entwicklung. Gettext hingegen ist recht simpel. Was das Datenschutzproblem angeht, denke ich, dass wir eine Lösung im Sinne der deuschsprachigen Nutzer finden werden. Momentan kann ich mir z.B. vorstellen, dass man einen Schalter im Backend hat, mit dem man die Datenschutzfunktionen aktivieren kann, und dann wird bspw. die URL bei der Pluginprüfung durch einen gesalzenen Hash ersetzt.
irrsinn.de 04.10.2007 um 11:09 #
SVN ist so schwer nicht - irrsinn empfiehlt RAPIDSVN unter Linux.