29. Oktober 2007, 22:59 Uhr

Personensuchmaschinen und Datenschutz

Personensuchmaschinen (ich kürze das mal mit PSM ab) sammeln Daten, die sie zu einzelnen Personen im Web finden und verknüpfen sie automatisiert zu einem Datenprofil. Aus datenschutzrechtlicher und -technischer Sicht sind sie höchst umstritten, was aber ihre Betreiber — verständlicher-, aber nicht verzeihlicherweise — wenig schert. Während man gegen US-amerikanische PSM wie spock.com in rechtlicher Hinsicht wenig ausrichten kann, wird es in der Diskussion hierzulande mit dem Start der deutschen PSM Yasni durchaus auch zu juristischen Bewertungen kommen. Vorweg wie immer der Hinweis: Ich bin kein ausgebildeter Jurist, die folgenden Ausführungen können also juristisch unrichtig oder unvollständig sein.

Die falschen Freunde des Datenschutzes

Meinen ersten direkten Kontakt zu einer PSM hatte ich mit den Betreibern der PSM Rapleaf. An sich klingt es ja nach einer interessanten Idee, Wissenswertes über seine Mitmenschen zusammenzutragen. Allerdings sollte das nur mit ihrem Einverständnis geschehen, außerdem müssen sie jederzeit die volle Kontrolle über die Daten haben. Das ist bei Personensuchmaschinen nicht der Fall. Das hält aber ihre Betreiber nicht davon ab, sich als Freunde des Datenschutzes zu rühmen:

Die yasni-Macher werben aber anders als ihre Vorbilder damit, die Privatsphäre der Nutzer als “zentralen Bestandteil” des Dienstes zu sehen. “Wir schaffen Transparenz, auch im Sinne des Datenschutzes”, verkündete der Gründer des Suchangebots, Steffen Rühl, zum Start am heutigen Montag in Frankfurt.
Heise online: Umstrittene Personensuche jetzt auch auf deutsch

Das Argument, eine Personensuchmaschine sei dem Datenschutz zuträglich, ist entweder eine bewusste Lüge oder ein Zeichen völliger Ignoranz. Wenn Daten über meine Person in konzentrierter Form vorliegen, so hat das eine neue Qualität gegenüber unsortiert verstreuten Informationen. Ob konzentrierte Datensammlungen nun gut oder schlecht sind, sei zunächst dahingestellt, aber eine strukturierte Datensammlung hat ja eben zum Zweck, die Daten aus dem Schutz und Schatten des scheinbar Verborgenen herauszusuchen.

Mein Name ist im Web durchaus mehrfach zu finden. Etwa auf eigenen Websites im Impressum, außerdem in Mailinglistenarchiven, auch auf anderen Websites, die über von mir entwickelte Software schreiben. Dennoch will ich nicht, dass diese PSM meinen Namen verarbeiten und nach eigenem Gutdünken und aus monetären Interessen ein Datenprofil zu meinem Namen anlegen.

Juristisch fragwürdig

Allein juristisch ist die ganze Sache sehr fragwürdig. Dem Bundesdatenschutzgesetz zufolge dürfen personenbezogene Daten zwar durchaus ohne explizite Einwilligung des Betroffenen verarbeitet werden, allerdings nur, wenn “keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass überwiegende schutzwürdige Interessen des Betroffenen beeinträchtigt werden”, allerdings kann das im Falle der PSM nicht für alle Betroffenen festgelegt werden. Dennoch, es gilt das Gebot der Datensparsamkeit, das allerdings die PSM gänzlich ad absurdum führen würde. Und so gehen die Betreiber einfach davon aus, dass die Betroffenen nichts gegen die Speicherung haben bzw. dass keine schutzwürdigen Interessen beeinträchtigt werden, und sie ignorieren das Gebot der Datensparsamkeit.

Unerwünschte, dem ursprünglichen Zweck zuwiderlaufende Verwendung

Nun zur Frage, was denn so schlimm an der PSM ist, wenn die Daten doch sowieso verfügbar sind. Es gibt im Web prinzipiell drei Möglichkeiten, als Person gefunden zu werden: zum einen willentlich über Social-Network-Seiten (XING, Facebook und Co.), zum zweiten inkaufnehmend (etwa bei Foren und Mailinglisten, in/auf denen man unter seinem Namen schreibt) und schließlich notgedrungen (Impressum, WHOIS). Zumindest bei den letzten beiden macht man dies eben *nicht* um hinterher über den Namen gefunden zu werden, sondern aus Höflichkeit bzw. Notwendigkeit. Aber auch bei der willentlichen Preisgabe seines Namens und damit verknüpfter Informationen tut man dies zu bestimmten Regeln, nämlich den AGB und Datenschutzbedingungen des Plattformanbieters. Es ist auch mitnichten so, dass man mit der Teilnahme an einem sozialen Netzwerk auch zustimmt, dass die Daten von einer dritten Partei entnommen und in einen anderen Kontext gestellt werden. Die PSM stellt also Daten bereit, von denen niemand gewollt hat, dass sie in dieser Form bereitstehen. Es mag zwar sein, dass einige sich freuen, anderen es egal ist, aber einem großen Teil der Betroffenen kann es nicht recht sein, dass zu ihrer Person ein automatisiertes Profil angelegt wurde. Denn normalerweise hat jeder Mensch das Bedürfnis, Informationen über sich selbst auch selbst zu kontrollieren. Der Fachbegriff dafür lautet “Informationelle Selbstbestimmung”, und es ist ein verbrieftes Recht. Doch mit einer Personensuchmaschine wird dieses Recht umgangen, denn alleine die Existenz von personenbezogenen Daten untergräbt die informationelle Selbstkontrolle des Betroffenen.

Dazu kommt noch die Tatsache, dass — wie im Falle Yasni — andere Benutzer die personenbezogenen Daten eines Betroffenen ändern können. Das wird von den Betreibern als positiv und datenschutzfreundlich dargestellt, bedeutet aber tatsächlich, dass jedermann jederzeit beliebige Informationen einstellen kann. (Das Problem kennen wir aus der Wikipedia, allerdings gibt es dort nur wenige Artikel, die für derartige Manipulationen in Frage kommen.) Die informationelle Selbstkontrolle wird also nicht nur untergraben, indem Profile automatisiert angelegt werden (worauf man prinzipiell noch Einfluss haben könnte) — nein, sie wird zudem untergraben, indem man als Betroffener ständig Angst haben muss, dass jemand — auch Konkurrenten und Gegner — zu einem beliebigen Zeitpunkt unvorteihafte und falsche Daten einstellt.

Was tun?

Fazit: Die Aussage, eine Personensuchmaschine würde den Datenschutz stärken, ist genau so irreführend wie die Aussage eines Spammers, er wolle den Empfänger mit wichtigen Informationen versorgen. Letztendlich geben sich beide — PSM und Spammer — als Wohltäter aus, aber handeln im vorgeblichen Interesse des Betroffenen zu seinem Nachteil.

Was kann man also tun? Wenn ich mich als einzelner Betroffener sehr wohl beeinträchtigt beeinträchtigt fühle, müsste ich wohl den Betreiber explizit auffordern, Daten zu meinem Namen zu löschen und zukünftige Speicherung zu unterlassen. Ich werde dies im Falle Yasni alleine schon aus Prinzip ernsthaft in Erwägung ziehen, und es bleibt zu hoffen, dass auch andere sich nicht damit abfinden, dass jemand mit ihren persönlichen Daten ein gutes Geschäft machen will.

6 Kommentare zu„Personensuchmaschinen und Datenschutz“

  1. Steffen 29.10.2007 um 23:21 #

    Die Personenprofile werden keinesfalls automatisiert angelegt sondern nur durch User selbst. yasni liefert nur Ergebnisse zu NAMEN und da kann/sollte es durchaus im Interesse der User sein, zu wissen, was mit ein wenig manuellem Aufwand auch findbar ist. Bei den Netzwerken kann man in den Privacy-Einstellungen i.d.R. einstellen, ob ein Profil für Suchmaschinen findbar ist und nur dann stellt es yasni dar. Wir verwenden leinerlei Logins o.ä. um Informationen aus geschützten Bereichen darzustellen.

  2. Alex 29.10.2007 um 23:51 #

    Lieber Herr Rühl,

    zunächst vielen Dank für Ihren Kommentar hier.

    Was den Begriff des Profils angeht, so verstehen wir vermutlich unterschiedliches darunter: Ich meine mit Personenprofil nicht das Anlegen eines Accounts, die Verifikation von Daten u. dgl. auf Yasni, sondern ein Personenprofil ist bereits ein normalisierter Datensatz zu einer Person. Diese Unterscheidung mag für Menschen mit häufigen Namen egal sein, doch für jemanden mit einem seltenen Namen ist bereits ein Suchergebnis mit seinem Namen als Titel ein Profil.

    Ich konnte Yasni noch nicht testen, da die Server momentan überlastet sind. Daher beziehe mich auf Informationen aus Ihrer heutigen Pressemitteilung auf OpenPR. Wenn Yasni sagt, es werden keine Profile angelegt, so ist das mindestens irreführend. Wenn ich das Prinzip von Yasni richtig verstanden habe, so bekommt man bei einer Suche nach meinem Namen zunächst unverifizierte, von Yasni selbst gefundene Informationen. Nach meiner Definition ist dies bereits ein Profil, wenn auch ein sehr rudimentäres. Um daraus nach Ihrer Definition ein Profil zu machen, muss der Betroffene die gefundenen Angaben verifizieren bzw. falsifizieren. Wenn ich es weiterhin richtig verstanden habe, kann nicht nur der Betroffene dies tun, sondern auch beliebige Dritte. Ferner können auch — ebenfalls von jedermann — Informationen dem Profil hinzugefügt werden. (Korrigieren Sie mich bitte, wenn ich das falsch dargestellt habe.)

    Nun frage ich mich: Wie soll das im Interesse des Betroffenen sein? Wie gesagt, einigen wird es gefallen und anderen egal sein, aber einem Großteil der Internetnutzer wird es keineswegs recht sein, einen Eintrag zu ihrer Person auf einer dedizierten Seite zu finden. Ich verstehe schon, dass Yasni nicht funktionieren würde, wenn es als Opt-In-System arbeiten würde, aber Sie müssen auch verstehen, dass es ernstzunehmende datenschutztechnische Bedenken gegen einen derartigen Dienst gibt — auch wenn Sie die datenschutztechnischen Aspekte anders sehen.

  3. Eckhard Behrendt 18.11.2007 um 12:12 #

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe leider nicht so viel Ahnung von Personensuchmaschinen, suche aber eine Person !
    Können Sie mir da weiter helfen, welche Suchmaschinen ich da nehmen könnte, die auch Seriös wären ?
    Das man da was bezahlen muß habe ich schon mal gesehen, würde das auch Bezahlen, aber nur gegen Rechnung, finde es nicht o.k, wenn an dieser Stelle schon die Kontonr: verlangt wird !
    Das finde ich sind doch vertrauliche Daten, und im Internet sollte man da schon mal vorsichtig sein, was man da mit seinen daten macht !

    Ich sage Ihnen einfach mal wen ich denn suche, daß ist:

    Meine Jugendliebe:

    **** ****
    letzter Wohnort war wohl Braunschweig, habe das Einwohnermeldeamt schon Kontaktiert, dort gibt es allerdings einen Datenschutz über die gesuchte Person, das ist nicht meinetwegen, möchte diese Person gerne mal wieder sehen, und hier benötige ich eine Seriöse ( PSM ) !
    Können Sie mir da helfen, haben Sie da einen guten Tipp für mich ?

    Erst einmal bedanke ich mich für Ihre Bearbeitung, und wünsche IHnen noch einen schönen Tag !

    Mit freundlichen Grüßen

    Eckhard Behrendt

  4. Alex 18.11.2007 um 12:24 #

    Lieber Herr Behrendt,

    mit Verlaub, haben Sie den Artikel eigentlich gelesen?! Haben Sie mitbekommen, dass der Autor Personensuchmaschinen grundsätzlich ablehnt?

    Den Namen der von Ihnen gesuchten Person habe ich aus Ihrem Kommentar entfernt. Ich werde Ihnen mit Sicherheit nicht helfen, irgendwelche Personen über Datensammelmaschinen ausfindig zu machen.

  5. Morpheus Mertensen 13.03.2008 um 08:48 #

    Am 13.03.08 versuchte Ich den Rechtsanwalt von Yasni, Herr Hansen-Oest dazu zu bewegen die über mich gespeicherten Daten auf ihrem Server zu löschen.
    Vorab: Yasni und Herr Hansen-Oest sind dazu grundsätzlich nicht bereit. Das ist verwunderlich, vor allem, da Herr Hansen-Oest auch für das Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein arbeitet. Man sollte doch annehmen, daß er die Seite der Datenschützer vertritt.
    Hier ein Auszug aus der Diskussion:

    > danke für ihre Antwort - Ich werte das Einschalten eines Anwaltes bei
    > einer doch so unverfänglichen Bitte als Zeichen, daß es sich hier um
    > ein
    > prekäres Thema handelt.

    Ich bin nicht nur Anwalt, sondern auch Datenschutzbeauftragter der
    yasni GmbH. Ich bin damit auch Ansprechpartner für Betroffenenrechte.
    Es ist üblich, dass ich mich bei solchen Beschwerden einschalte.
    Soviele Beschwerden gibt es auch nicht.

    > Mir geht es aber gar nicht darum, ob Sie rechtlich die Daten sammeln
    > dürfen (was umstritten ist und wo es wohl erst in Zukunft eindeutigere
    > Auslegungen für geben wird) sondern ganz einfach um die Löschung
    > meiner
    > persönlichen “Seite” auf ihrem Server. Ich führe dafür sowohl
    > persönliche
    > wie auch berufliche Gründe an.

    Mir war schon klar, was Ihr Anliegen ist. Es ändert allerdings nichts
    an der von uns vorgenommenen Bewertung. Die angezeigten Daten sind
    allgemein zugänglich und auch über andere Suchmaschinen (live.com /
    Google) einsehbar. Die Suchergebnisse werden lediglich über den URL so
    angezeigt[….]

    yasni macht in rechtlicher Hinsicht nichts, was anders zu bewerten
    wäre. Ich bitte diesbezüglich um Verständnis.

    Mit freundlichen Grüßen

    Stephan Hansen-Oest
    Rechtsanwalt

  6. Alex 13.03.2008 um 09:44 #

    Das ist ja ein Ding. Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Thema Yasni etwas aus den Augen verloren habe. Ich weiß auch nicht, ob es zu meiner Person dort etwas zu finden gibt. Ich werde mich des Themas aber nochmal annehmen.

    Vielen Dank übrigens für das Engagement bzgl. Yasni (auch wenn es natürlich kein Selbstzweck ist) und für die obigen, sehr aufschlussreichen Auszüge aus der Korrespondenz mit Yasni.

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