11. April 2007, 22:57 Uhr
Die re:publica, eine Konferenz von Bloggern mit Bloggern für Blogger, befasst sich — genau, mit dem Bloggen.
Dass sich der von mir durchaus geschätzte Volker Grassmuck für diese Web-2.0-Scharlatanerei hergibt, wird seinen Marktwert nicht unbedingt steigern. Aber als technologiekrittelnder Geisteswissenschaftler muss man wohl Präsenz zeigen wo immer es geht.
Ansonsten bringt diese Konferenz nichts weltbewegendes hervor. Selbst die sonst leicht zu begeisternde Heise-Redaktion witzelt müde daher und versucht eher halbherzig den Anschein von Sachlichkeit zu wahren. Golem hingegen findet den/einen bereits gestern thematisierten Verhaltenscodex für besonders erwähnenswert.
Derweil kommt ein gewisser Dr. Jan Schmidt zu der bahnbrechenden Erkenntnis, dass das Vorurteil, Blogger seien unrasierte, übergewichtige Nerds, nicht der Realität entspricht. Wahnsinn.
So, das musste mal gebloggt werden — von einem gerade nicht rasierten und mit einem BMI von 26 gesegneten Computerfuzzi.
4
Kunst & Kultur, Technologie, Medien
Bloggen
10. April 2007, 22:28 Uhr
Tim O’Reilly (der Mann, dem die Erfindung des Begriffs “Web 2.0″ zugeschrieben wird) hat einen Benimm-Leitfaden für Blogger veröffentlicht.
Was drinsteht macht Sinn: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg’ auch keinem anderen zu. Dabei geht es nicht um das, was der Blogger selbst schreibt, sondern wie er auf möglicherweise anstößige Kommentare reagiert. Das Problem ist der Zwiespalt zwischen den Bedürfnissen, einerseits seine Website von verbal randalierenden Trollen sauber zu halten, andererseits ein möglichst breites Spektrum an Meinung zuzulassen.
Was O’Reilly vorschlägt, entspricht im großen und ganzen dem, was normalerweise auch der gesunde Menschenverstand hergeben sollte (über Details darf natürlich gestritten werden). Aber es ist wohl ganz gut, wenn man eine gemeinsame Referenz hat, auf die man sich als Community berufen kann. Insofern halte ich den von Herrn O’Reilly vorgeschlagenen “Code of Conduct” für einen guten Ansatz.
0
Gesellschaft, Kunst & Kultur, Technologie
Bloggen, Knigge, O-039Reilly, Web 2.0
4. April 2007, 23:22 Uhr
Aha — Trent Reznor will auf seine alten Tage nochmal was ganz neues machen. Nur zu, dieser Mann steht für Qualität, und was er anfängt, hat normalerweise Hand und Fuß — auch wenn ich persönlich ihm außer der Downward Spiral (jaja, ich weiß) musikalisch nicht viel abgewinnen kann.
Allerdings ist Mr. Reznor aber auch eine große Nummer im Musik-Business und keiner, der sich — soweit ich weiß — durch substantielle Kritik an den Praktiken der Majors hervorgetan hat. Nun hat der gute Trent eine virale Kampagne ins Leben gerufen und wollte ein bissel Aktionskunst im Web betreiben, hat allerdings die Rechnung ohne einige der Wirte gemacht, i.e. Blogger bzw. NIN-Fans. Beides in Personalunion ist Jeriko One, alter Haudegen im WPD-Forum und neuerdings das deutsche Sprachrohr der WLTC. (Tchja, so klein ist die Welt… und gerade sehe ich auf Jerikos Website, dass er die genialen Bettie Ford verlinkt hat… wusste gar nicht, dass die im Mai ein Konzert im Underground geben.)
Naja, wie auch immer — der Kreis schließt sich — nun hat das Plattenlabel Universal Music, in Deutschland für den Vertrieb von NIN-Produkten verantwortlich, eben diesen Jeriko abgemahnt, da er Herrn Reznors Internetspielchen mitgespielt hatte, indem er ein von erstem in Umlauf gebrachtes Musikstück zum Download anbot. Das lässt nun einige Vermutungen offen; zum Beispiel, wieso es nicht mal in Bereichen, in denen es um Millionen Dollares geht, eine vernünftige Koordination gibt, oder warum Universal blindwütig seine Multiplikatoren zusammenstutzen will. Wie dem auch sei, für Jeriko gibt es nach einem längeren Techtelmechtel mit der von Universal engagierten Jurisprudenz ein halbwegs glückliches Ende — er konnte die Abmahnung gegen ein romantisches Abendessen mit Trent ein paar Konzerttickets eintauschen.
Nachtrag: Scheint auch ganz nett gewesen zu sein, das “ertauschte” Konzert.
4
Kunst & Kultur, Medien, Wirtschaft
FUD, Nine Inch Nails, Trent Reznor, Urheberrecht