13. Juni 2008, 13:25 Uhr

Einlaufkinder

Ich weiß nicht, ob es an meiner zur Albernheit neigenden Phantasie liegt, dass ich beim Begriff “Einlaufkinder” nicht zuerst an die kleinen Fratze denke, die neuerdings bei größeren Mannschaftssportereignissen mit den Akteuren aufs Feld laufen. Mir kommen da eher andere Bilder in den Sinn.

Sicher, für neue Phänomene gilt es, neue Begriffe zu finden. Und man kann ja froh sein, dass man diesmal sogar in der eigenen Sprache fündig wurde. Aber im Ernst: Wie kann man denn augenscheinlich gesunde Kinder pauschal zu Einlaufkindern erklären? Und: Darf man vom Begriff der “Einlaufkinder” ableiten, dass der Einzug der Akteure ins Stadion der Einlauf ist? Das würde zumindest einiges erklären.

25. März 2008, 12:33 Uhr

To Boycott or not to Boycott

Vorab: Ja, ich bin für einen Boykott der olympischen Spiele. Aber es gibt auch gewichtige Argumente gegen den Boykott:

  • Sportliche Großereignisse sind wichtig, um das friedliche Zusammenleben der Völker zu stärken. Gerade wenn es politische Diskrepanzen gibt, sind die Arenen gute Orte, um als politische Funktionsträger abseits des diplomatischen Parketts Freund und Feind zu treffen und als Normalsterbliche fremde Kulturen kennenzulernen.
  • Wenn man 2008 Peking boykottiert, was ist dann mit London 2012? Haben die Briten nicht auch genug Dreck am Stecken? Müssten dann nicht dauern irgendwelche Boykotte stattfinden? Gut, es gab schon mehrere Olympia-Boykotte; auch größere wie den vieler westlicher Staaten 1980 bei den Moskauer Spielen. Aber gerade die bisherigen Boykotte zeigen, dass Boykotte albern sind und letztlich nichts bringen.
  • Bei aller Sympathie für die Anliegen der Tibeter, und bei aller Ablehnung des übermäßigen Gebrauch des Etiketts “Terrorismus”: Was einige(!) tibetische Gruppen momentan machen, ist eine bewusste und geplante Inszenierung der Gewalt gegen zivile Ziele; man provoziert die Chinesen, im Wissen um die absehbare Reaktion der “Weltöffentlichkeit” und die abzusehende Boykott-Diskussion. Mich wundert, dass hier bislang niemand den Begriff “Terrorismus” in den Mund nimmt, wo er ausnahmsweise mal halbwegs angebracht wäre.
  • Das Internationale Olympische Komitee und die Staatengemeinschaft wussten auch vorher bestens um die Lage der Menschenrechte in China. Es wäre inkonsequent, erst die Spiele nach Peking zu geben und später (zwar in anderem Rahmen aber letztlich durch die selben Akteure) einen Boykott zu beschließen.

Tja, warum soll man nach alledem noch für einen Boykott sein? Im Wesentlichen ist es ein Argument, das meiner Meinung nach alle vorgenannten überwiegt.

Auch wenn Boykotte nichts bringen, so wäre es eine große Lüge, wenn politische Eliten und Sportbegeisterte aus aller Welt nach China fahren und dort so tun als wäre alles wunderbar, als gäbe es keine Unterdrückung, keine Dissidentenverfolgung, keine politischen Todesstrafen, keine repressive Meinungspolizei, keine willfährigen China-Dependancen von Google und Microsoft, keine Annexion von Tibet und Taiwan.

Kaum ein Staat auf der Welt hat eine weiße Weste, aber die Unterdrückung in China ist von einer herausragenden Qualität. Außerdem hat China als Weltmacht und als mittlerweile westlich orientierter Staat eine Vorbild- und Leitfunktion; wenn China trotz der himmelschreihenden Missstände von den politischen Eliten hofiert wird, so ist das kein gutes Zeichen für andere aufstrebenden Staaten. (Mit ähnlichen Argumenten müsste man im Übrigen derzeit auch Olympische Spiele in den USA oder Russland ablehnen.) Und auch wenn die Geschehnisse in Lhasa inszeniert sind und weder von der politischen Führung der Tibeter noch einem Großteil der Bevölkerung so gewollt waren, reflektieren sie ein legitimes Anliegen vieler Tibeter.

Auch wenn es inkonsequent erschiene, die an Peking vergebenen Spiele im Nachhinein zu boykottieren, wäre es eine angemessene Reaktion auf die Tatsache, dass China sein Hauptversprechen in Bezug auf die Olympischen Spiele, nämlich freie Berichterstattung, nicht erfüllt.

China will zwar die Vorzüge der Olympischen Spiele genießen, weist aber den olympischen Geist sowie die aus ihm erwachsende Verantwortung zurück: Die Olympischen Spiele sollen als Propaganda-Veranstaltung inszeniert werden. Wer das kritiklos mitmacht, macht sich zum Statisten in einer Groteske. Boykott ist ein Mittel der Kritik; vielleicht nicht das beste, aber bestimmt auch nicht das schlechteste.

7. November 2007, 09:52 Uhr

Welch eine unheimlich dumme Firma

Da investieren Fans 4 Jahre und 10.000 Euro, um auf eigene Rechung und rein zum Vergnügen einen Film zu Ihrem Lieblingsspiel Warhammer 40,000 zu produzieren. Wie reagiert die Firma, die die Markenrechte an dem Spiel innehat? Man sollte meinen, dass sie sich freut, so treue Fans zu haben, dass sie mit Freude ihr Einverständnis zur Verbreitung dieser kostenlosen PR-Maßnahme gibt. Aber nein, die Firma Games Workshop beharrt kindischerweise darauf, dass der Film Markenrechte verletze und verbietet die Veröffentlichung.

Keine Ahnung von deutschem Recht

Zudem zeigt man bei Games Workshop, dass man keine Ahnung von deutschem Marken- und Urheberrecht hat — oder aber man gibt Unwissenheit vor, um sich aus der Affäre zu ziehen:

Andy Jones, legal and licensing head for Games Workshop, said this law confers rights on the creators of works that cannot be given away. This means that the creators of Damnatus cannot assign their rights to Games Workshop even if they wanted to. But by sanctioning the release of the film without this “assignment” Games Workshop would essentially be giving up the title to the Warhammer 40,000 intellectual property.
BBC News: Copyright law scuppers fan film

So einen Schwachsinn hat man selten gelesen, und es ist erbärmlich, dass ein ausgebildeter Jurist so einen Quark von sich gibt. Wenn es so wäre, wie Jones es darstellt, dann könnte man ja überhaupt keine Auftragswerke in Deutschland herstellen! Wie sollte etwa die Degoto weiterhin Schund für die ARD produzieren, wenn die ARD nicht die Nutzungsrechte daran bekäme?

Was Jones meint ist folgendes: In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ist das Werk mit dem Urheber unauslöschlich verbunden, bestimmte Rechte kann er einfach nicht abtreten. In Großbritannien und den USA ist das anders: Dort kann man alle Rechte an einem geistigen Werk an jemand anderen abtreten. Darum heißt es auch in Deutschland Urheberrecht und bei den Briten Copyright. Das hat allerdings kaum Auswirkungen auf den real existierenden Kapitalismus — denn wenn Knebelverträge, mit denen Migrantenkinder ihre Seelen an Dieter Bohlen verkaufen, in Deutschland nicht möglich wären, gäbe es keine Castingshows (und das wäre doch schade). Es ist also sehr wohl möglich, die Nutzungsrechte an einem Werk praktisch vollständig zu erwerben, es ist allein eine Frage der Vertragsgestaltung. Es ist auch mitnichten so, dass man seine Markenrechte abtritt, wenn man jemandem eine Lizenz zur Nutzung der Marke erteilt — wenn dem so wäre, gäbe es in Deutschland kein McDonalds, denn das ganze Franchise-System beruht eben auf Markenlizensierung.

Was wäre verloren, wenn man — ganz ohne großes Aufhebens — eine einfache Nutzungslizenz für den Namen einräumen würde? Genau, nichts. Doch von alledem will man bei Games Workshop offenbar nichts wissen. Stattdessen vergrault man Hardcore-Fans mit kleinkarierten Rechtsstreitigkeiten.

Souverän ist anders

Dass man als Markeninhaber und Spielwarenhersteller mit einer verspielten und kreativen Fanbasis durchaus gelassen bleiben kann — selbst wenn die hauseigene Markenrechtsabteilung einen an der Waffel hat — sieht man an den Stop-Motion-Filmen aus Legosteinen, die sogar schon ein eigenes filmisches Genre, den Brickfilm, begründet haben.

31. August 2007, 13:26 Uhr

Notwendige schlechte Lyriken

Schon viel ist gelacht worden über automatisierte Übersetzungsdienste im Web wie Google Translate und Babelfish. Man muss allerdings auch zugeben, dass diese Dienste sehr hilfreich sein können, um zumindest eine Ahnung zu bekommen, worum es etwa in einem chinesischen Text geht.

Dennoch bereitet es mir immer wieder Freude, Lyrik und Prosa verschiedenster Art durch die Übersetzungsmaschinen zu jagen. Heute habe ich es aus Spaß mal mit Body-Count-Lyrics gemacht, und das Ergebnis war in der Tat belustigend:

Notwendige schlechte Lyriken

Einfach mal selbst ausprobieren!

6. August 2007, 17:23 Uhr

The Perry Bible Fellowship

Nicholas Gurewitch ist der Kopf hinter der Comicstrip-Serie “The Perry Bible Fellowship“. Gurewitchs Humor ist oft grotesk, dabei aber sehr treffsicher und — oft, nicht immer — witzig. Man schwärmt immer von Künstlern, die mit unerwarteten Wendungen überaschen — Gurewitch ist ein Meister dieser Klasse.

Meine Favoriten:

Aber eigentlich sind alle seine Strips klasse.

10. Juli 2007, 11:13 Uhr

Hans Mentz (Titanic) über Computerquatsch

Hans Mentz, bzw. einer der Autoren hinter diesem Sammelpseudonym, hat “Die Hard 4.0″ gesehen und beömmelt sich treffsicher über die dem Medium Leinwand/Bildschirm und dem Technikverständnis seiner Nutzer angepasste Darstellung der Bedienung von Computern:

Fantastisch, wie da immer wieder Menschen nach einem kurzen Blick auf fremde Rechner mit ihnen unbekannter Software sofort anfangen, souverän in die Tasten zu hauen! Toll, wie jedes Programm eine graphische Benutzeroberfläche hat und beim Paßworthacken im Hintergrund verschlüsselten Text über den Schirm laufen läßt! Hervorragend, wie nie jemand eine Computermaus zu Hilfe nehmen muß und an jedem einzelnen feindlichen Computerterminal ein USB-Anschluß zu finden ist, der einfachen und schnellen Zugriff auf alle Daten erlaubt!

Dann doch lieber Matrix, in dem wenigstens echte Sicherheitswerkzeuge und sogar (zu dem Zeitpunkt) real existierende Lücken verwurstet wurden. Werkzeuge übrigens, die neuerdings halblegal und verboten sind — von Politikern, die ihr Technikverständnis offenbar aus ARD-Fernsehproduktionen entwickeln (oder erst gar keines haben).

18. Juni 2007, 13:58 Uhr

Atomschlag gegen Tschechien

… zumindest müssen das die Zuschauer des Frühstücksfernsehens beim tschechischen Sender CT2 gedacht haben, als es einer Gruppe von Aktionskünstlern gelang, in die morgendlichen Nachrichten Videoaufnahmen einer Atombombenexplosion einzuschleusen.

12. Juni 2007, 13:31 Uhr

Von Japan nach Aachen

Guido Buchwald wird neuer Trainer von Alemannia Aachen. Man darf gespannt sein, ob die fußballexotischen Erfahrungen aus dem sportlichen Exil der Entwicklung des Öcher Fußballs zuträglich ist oder nicht.

Zu der Nähe von Japan und Aachen passt auch dieser Schnappschuss, der mir und meinem Zellfon (Wortneuschöpfung; zwar ein verballhornter Anglizismus, aber immer noch besser als “Handy“) auf einem Kölner Stadtplan begegnete:

Aachener Weiher am Hiroshima-Nagasaki-Park

Willkommen, Herr Buch*schluck*wald, und lassen sie uns den Tivoli stehen!

25. April 2007, 11:30 Uhr

Yahoos Liedtextsuche

Wer gerne unter der Dusche ein im Radio gehörtes Lied trällern möchte, geht dazu auf eine der unzähligen Lyrics-Seiten. Das Problem dabei ist, dass sich diese Webangebote auf rechtlich unsicherem Terrain bewegen, da die Liedtexte durch das Urhebberrecht bzw. Copyright geschützt sind und die nicht-lizensierte Verbreitung illegal ist.

Yahoo startet nun eine Liedtextsuche, die auf einer legalen Basis stehen soll. Dazu wurde eine Kooperation mit dem Unternehmen Gracenote geschlossen, welches unter anderem die CDDB betreibt.

Das ist eine tolle Sache für diejenigen, die einfach mal einen Liedtext nachschlagen wollen. Je nachdem, wie umfassend das Archiv wird, kann man die Yahoosche Liedtextsuche als generellen Ersatz für die ganzen zusammengekratzen Lyrics-Seiten nehmen. Ich freue mich auch schon, später Liedtexte über Webkürzel direkt abrufen zu können.

P.S.
Auf gulli.com erfährt man, dass das Liedtexte-Archiv schon verfügbar ist, zu finden ist es nämlich unter http://music.yahoo.com/lyrics. Allerdings ist es nach Meinung von gulli.com noch nicht besonders umfangreich und auch nicht allzu komfortabel in der Bedienung. Muss ich mal selber testen.

P.P.S.
Hab es nun selbst kurz getestet; von “meiner” Musik habe ich nicht viel finden können — ist wohl wirklich nur der Mainstream-Schrott drin. Aber die Suchfunktion ist ok, man kann auch die URL für Webkürzel in Konqueror verwenden. Für ein Urteil ist es aber wohl noch zu früh, geben wir dem Ganzen also noch etwas Zeit.

18. April 2007, 20:27 Uhr

Stadt ohne Außenwerbung — das wäre mal was…

Die Stadt São Paulo hat seit neuestem jegliche Außenwerbung verboten. Ganz schön mutig! Wäre vielleicht auch mal was für hierzulande, wo mittlerweile jeder Quadratzentimeter an die Werbewirtschaft vermietet wird. Denn leider gibt es für den öffentlichen Raum keine Werbeblocker.