1. August 2007, 13:49 Uhr

Gute Foren, böse Foren

Interessant: Klaus Wowereit kanzelt befangene Experten ab und beruft sich in Antwort auf eine Kleine Anfrage bzgl. der .berlin-Initiative explizit auf das Heise-Forum:

Da zwei Teilnehmer auf dem Podium als Gesellschafter bzw. Beiratsmitglied der dotBERLIN GmbH durchaus als Experten, aber nicht als neutral angesehen werden können, ist die Repräsentativität der allgemeinen Debatte beispielsweise eher im Heise-Forum nachzuvollziehen.
Quelle: Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 16/10942

Eine kleine Sensation ist das durchaus: Denn normalerweise tun sich Politiker eher schwer damit, Diskussionen im Web als repräsentativ anzusehen oder gar als Argumentationsgrundlage heranzuziehen. Allerdings zu unrecht: Denn bspw. im Heise-Forum tummeln sich tausende qualifizierte und erfahrene Experten, die (wenn es nicht gerade um pseudoreligiöse Themen wie Betriebssysteme geht) sehr aufschlussreiche Diskussionen mit interessanten Argumenten und guten Quellen führen. So werden mit der Zurkenntnisnahme von Diskussionen im Web auch basisdemokratische Strukturen gestärkt, indem offenen Diskussionen teilweise anonymer Teilnehmer fachliche Kompetenz und Autorität beigemessen wird.

Allerdings werden nicht alle Foren als erwünscht oder gar kompetent angesehen: Marc Doehler, der Betreiber des Forums call-in-tv.de, welches sich mit den dubiosen Praktiken von CallinTV-Anbietern beschäftigt, hat — für viele völlig unbegreiflich — mehrere gerichtliche Auseinandersetungen mit der Callactive GmbH verloren und steckt nun (vermutlich konsterniert, aber zum Glück nicht resigniert) in einem finanziellen und persönlichen Dilemma. Marc, wir stehen hinter Dir.